Anleitung für eine kleine Umhängetasche

Wie versprochen kommt nun die Fotoanleitung für die kleine Umhängetasche, welche ich letzte Woche hier im Blog gezeigt habe.

Nähanleitung Umhängetasche

Materialbedarf: Stoffe für Aussentasche: 2erlei Stoffe, jeweils 1 FQ + 7cm x 110cm für Binding Stoffe für Taschenfutter: 35cm x 85cm Thermolam: 40cm x 85cm Decovil light I von Freudenberg: 60cm x 30cm Decovil I von Freudenberg: 12cm x 21cm 1 Magnetdruckknopf Schnittmuster (A4) zum Herunterladen. Zuerst stand die Stoffauswahl im Raum, doch warum in den Stoffschrank greifen, wenn das Gute liegt so nah? Das Gute sind in dem Fall die zuletzt gekauften Stoffe, in wunderschönen Gelbtönen, mit schwarzen Akzenten.

stoff1

Aus diesen wählte ich dann die Folgenden aus und schnitt sie auch gleich anhand des beigefügten Schnittmusterbogens zu. Für die Handtasche benötigt man 1 Vorder- und ein Rückseitenteil, 2 Seitenteile, 1 Taschenboden, der wahlweise in Stoff, Leder oder wie in diesem Fall aus Kork gearbeitet wurde. Dieselben Zuschnitte braucht es dann nochmals für das Tascheninnenfutter. Ebenfalls wird als Stabilisierungsvlies Decovil light I von Freudenberg, sowie das festere Decovil I für den Taschenboden benötigt, dazu ein Vlies, wie beispielsweise Thermolam. Ich wählte wieder, wie für alle meine Taschen mein spezielles Taschenvlies (dieses Vlies wird auch demnächst über den DaWandashop, wo der Kork erhältlich ist, zu beziehen sein). zuschnitte-handtasche

Das Vlies habe ich gedoppelt und mit Sprühkleber zusammengeheftet, anschliessend alle Teile der Aussentasche, ausser dem Taschenboden aufgelegt. vlies-aussenstoff

Zwischen den Stoffzuschnitten liess ich etwas Raum, damit das Quilten bis zum Rand (falls erwünscht) bequemer ist. Als Kontrast zu den Kreisen quiltete ich einige rechtwinklige Linien, damit die ganze Geschichte nicht zu verspielt wurde. quilten-seitenteil

Anschliessend schnitt ich alle überstehenden Vlieskanten zurück. korrekturschnitt

Das Decovil light I wurde dann auf der Rückseite der Taschenaussenzuschnitte aufgebracht. Hierzu wird das Material so zugeschnitten, dass jeweils 1 cm zur Kante ausgespart wird.

zuschnitt-decovil decovil-aussenteile

Ebenso verfahre ich mit dem Taschenboden und dem dickeren Decovil, das zur Schabrackeneinlage aushärtet, sobald es aufgebügelt ist. korkboden korkboden1

Sämtliche Stabilisierungsvliese werden nun unter einer Lage Backpapier bei mittlerer Bügeltemperatur auf das Rückseitenvlies aufgebügelt. Es ist darauf zu achten, dass alle Kanten gut verklebt (augebügelt) sind, damit sie sich beim Wenden der Tasche nicht öffnen. Anschliessend habe ich das Taschenfutter zusammengenäht. Dies wird identisch mit der Aussentasche gearbeitet, bitte also einfach dieser Fotoanleitung folgen. taschenfutter1

Da in das Taschenfutter der Magnetdruckknopf eingearbeitet wird, wird im Vorfeld bereits beidseitig ein kleiner Zuschnitt Decovil light aufgebügelt. taschefutter2

Wie das Einarbeiten des Druckknopfes funktioniert kann in der Anleitung des Shoppers mit Flechttechnik nochmals angeschaut werden: http://blog.bernina.com/de/2013/04/trendiger-shopper-mit-fotoanleitung-2/ Nun geht es bereits an die Aussentasche. In einem nächsten Schritt bringe ich ein schmales doppelseitig klebendes Band auf die Längskanten des Taschenbodens an. Da er aus Kork besteht, lässt er sich zwar einfach mit Stecknadeln fixieren, jedoch entstehen in dem Material dann unschöne winzige Öffnungen, die es zu vermeiden gilt. korkboden_klebestreifen

Dann nehme ich mir die beiden Seitenteile vor: um einen Abnäher anzubringen, schliesse ich die beiden Seitenteile der Länge nach, hefte mit Stecknadeln das etwas sperrige Material und zeichne mit den Abnäher mit einem Stift vor. Der Abstand der oberen Kante beträgt ca 12 mm, die Länge des Abnähers misst ca. 10-12cm.

seitenteil seitenteil2

Anschliessend nähe ich in beide Seitenteile die angezeichneten Abnäher ein, hierzu bitte einen 2mm Geradstich verwenden und eine 80ger Nähnadel. abnäher

Danach öffne ich beide Abnäher, dies geht idealerweise mit dem Rollschneider und Lineal am einfachsten. Geöffnet werden beide Abnäher, damit man die Nahtzugabe später gut auseinanderdrücken kann, sobald das Binding eingenäht wird. Im Bild sieht man, dass ich nicht auf Anhieb paralell gleich lang genäht - und somit nochmals nachkorrigiert habe.

abnäher2

Nun kann bereits der Taschenboden eingenäht werden.  Um absolut perfekte Bodenecken auszuarbeiten muss nun einiges beachtet werden: alle vier Bodenecken werden mit der Y-Naht genäht. Dafür zeichne ich mir auf der Taschenbodenrückseite vier Winkel ein, deren Eckpunkt jeweils nähfüssenbreit ist. Anschliessend ziehe ich einen Schutzstreifen vom Klebestreifen am Taschenboden ab und drücke den Taschenboden nun fest an eine Unterkante der Vorder- oder Rückseite der Tasche an.

korkbodennähen y_naht ecke

Das Nähmaterial wird nun unter den Nähfuss geschoben und die Nadel sticht genau im Winkelpunkt der angezeichneten Ecke ein: einstich

Dann wird der Länge nach, bis zum gegenüberliegenden Eckpunkt genäht. Nahtanfang und Nahtende jeweils gut sichern. Wenn man ganz exakt schneidet und bügelt, ist auch das aufgebügelte Decovil eine gute Linienvorgabe. bodennaht

Wenn exakt gearbeitet wurde, schaut die erste eingenähte Taschenbodennaht folgendermassen aus: bodennaht1

Nun wird das zweite Taschenaussenteil identisch angenäht. taschenboden2

Der Korkboden wird nun nochmals knappkantig abgenäht. Zum einen wird so die Bodennaht verstärkt, zum anderen hat es auch einen dekorativen Effekt. Hierzu verwendete ich den Geradstichfuss mit Gleitsohle. Die Abstände zur Aussenkante hin werden auch hier eingehalten. bodennahtkomplett

Jetzt ist es Zeit für das erste Seitenteil. Es wird rechts auf rechts auf den Taschenboden aufgelegt, auch hier muss erneut auf exakte Abstände geachtet werden. seitenteil1

seitenteil3

Und ebenso exakt wird nun wieder eingenäht. Die Nadel sticht auch hier im richtigen Abstand ein: seitenteileinstich

Das gegenüberliegende Seitenteil wird identisch eingenäht - fertig sind dann alle vier angebrachten Taschenaussenteile an den Taschenboden - und dies schaut dann so aus:

zusammensetzung Nun werden die Taschenseiten nacheinander geschlossen. Hierzu empfehle ich wirklich jedem, die einzelnen Seitennähte nacheinander gut zu stecken und ebenfalls nacheinander abzunähen. Genäht wird bis in die untere Bodenecke hinein, die Naht wird dort erneut gut gesichert. Sollte die Maschine hier Leerstiche nähen, muss eine Höhenausgleichsscheibe untergelegt werden.

seitenteileinnähen

seitenteilecke

seitenteileinnähen2

ecke1

Nun kann bereits ein erster Blick in die erste genähte Ecke geworfen werden - diese hier ist gar nicht mal so übel: eckeinnen

Alle weiteren Seitennähte werden nun nach und nach geschlossen. zusammensetzung1

Anschliessend wird die Aussentasche auf rechts gewendet. Noch ist sie etwas unförmig und muss mit Hilfe des Bügeleisens in Form gebracht werden: tasche1

Das Taschenfutter kann nun einmal links auf links in die Tasche eingeschoben werden. Wenn exakt zugeschnitten und genäht wurde, sollte es perfekt sitzen. Mit den angebrachten Druckknöpfen versehen, wird es dann mit Stecknadeln rundum an der oberen Taschenaussenkante fixiert und rundherum einmal mit Zickzackstich genäht.

futter3 futter4

Als vorletzter Schritt wird jetzt der lange schmale Bindingstreifen der Länge nach zur Hälfe gefaltet, gebügelt und anschliessend mit der offenen Kante an die mit Zickzack gesicherte Taschenkante füssenbreit angenäht. Es ist ein wenig eine "Fummelei" bis die Rundungen und Winkel geschafft sind. Hier hilft nur Geduld und Spucke, Fingerspitzengefühl und geschimpft werden darf hier auch - eine andere Lösung kann ich leider nicht bieten ;-). Aber es funktioniert. Ein Schrägstreifen wäre die perfekte und einfachste Lösung, doch hatte ich keinen farblich passenden zur Verfügung und wollte in meinen unifarbenen Patchworkstoff keine Diagonalen schneiden.

binding binding2

Dann wird das Binding, wie beim Quilt üblich, innen von Hand mit winzigen, vielen Stichen angenäht. So schaut es sauber aus und es ist ein schöner letzter Arbeitsschritt in reiner Handarbeit.

bindinginnen

Diese Handtasche bekam zwei schmale Träger aus demselben gelben Kork, den ich auch für den Taschenboden verwendet habe. Alternativ hierzu können selbstverständlich Stoffhenkel, Ledergriffe oder andere Griffvarianten angebracht werden. Fertig ist sie nun, die nächste Ausführung dieser kleinen Umhängetasche.

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Ich wünsche viel Erfolg und Freude beim Nacharbeiten und weise an dieser Stelle darauf hin, dass Schnitt und Anleitung nur zu privaten Zwecken genutzt werden dürfen. Kre-aktive Grüße, Jutta Hellbach